• hilgersivana

Perspektivwechsel

Schlüssel zu mehr überzeugenden Ideen


Quelle: Pixabay


Vor einer Weile las ich einen Artikel, in dem davon berichtet wurde, wie der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt seine Reden vorbereitete. Gute Reden sind für Politiker eine Art Währung, je besser und überzeugender diese sind, um so mehr Zustimmung erhalten sie und damit wächst ihr Einflussbereich.

Diesem Beitrag zufolge schrieb Willy Brandt seine Reden, setzte sich anschließend in den Zuhörerbereich und ließ sich diese laut vorlesen. Aus der Zuhörerperspektive überlegte er sich die Gegenargumente für seine Rede. Leider habe ich diesen Beitrag nicht mehr gefunden, um darauf verlinken zu können. Ich verlinke deshalb auf die Seite der Stiftung von Willy Brandt, hier findest du eine Sammlung seiner Reden.

Methodischer Einsatz

Perspektivwechsel als Methode ist an sich kein Wunderwerk, und jede*r kann sich schnell etwas darunter vorstellen. Die richtige Wirkung entwickelt die Methode in der konsequenten und präzisen Anwendung. Das heißt, je genauer ich mir die Perspektive vorstelle, aus der ich meine Ideen, Argumente, Präsentation... betrachte, umso genauer kann ich meine Inhalte für die Zuhörer*innen ausrichten.

Ein Beispiel dazu, wenn ich meine Präsentation vorbereite für eine Netzwerkveranstaltung von HR Verantwortlichen, die meistens am Abend stattfindet. Ich gehe diese Situation ganz genau durch und stelle es mir bildlich vor: Es sind überwiegend Entscheidet*innen aus dem HR Bereich, sie kommen direkt von der Arbeit, der Kopf ist evtl. noch mit anderen Themen beschäftigt – ergo was würde sie überzeugen, mir und meinem Vortrag zuzuhören?

Ich nehme derem Rolle ein und plane meinen Vortrag genau aus dieser Perspektive heraus.

Wie oft hast Du gehört „Versetze dich doch in meine Lage“, und wie oft ist Dir dies gelungen?

Genau, Du wirst sicher feststellen, es ist schwierig, einer solchen pauschalen Aufforderung nachzukommen.

Mit folgendem Beispiel wird dies eindeutiger: statt „bitte nimm die Rolle eines Bewerbers ein“ sagen wir „bitte nimm die Rolle eines Job-Interessenten für einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich ein“.

Hier wird schon klarer, die Rolle, die ich in dem Moment einnehmen soll, ist die einer Person im Teenageralter, kurz vor oder nach dem Schulabschluss, suchend nach erster beruflicher Orientierung, ohne Erfahrung in der Berufswelt.

Die Methode Perspektivwechsel wird selten alleine angewandt. Wir nutzen sie am häufigsten als ergänzende Methode in einem Kreativprozess. Das bedeutet, nachdem die ersten Ideen stehen, schauen wir aus unterschiedlichen Perspektiven darauf.

Anwendungsmöglichkeit ganz konkret

Es geht auf das Jahresende zu, und wir wissen, dies bedeutet in vielen Unternehmen, die Budget-Verhandlungen aufzunehmen. In der Regel machen wir einen Vorschlag, wie wir das Geld idealerweise im nächsten Jahr einsetzen würden. Es gibt konkrete Ideen / Vorschläge inkl. KPIs (Key Performance Indicator), die im nächsten Jahr erreicht werden sollen – doch das reicht häufig nicht aus.

Eine gute Vorbereitung beinhaltet zeitgleich die Perspektiven der involvierten Instanzen und Berücksichtigung derer Interessen. Deshalb möchten wir Dir in diesem konkreten Fall dazu raten, vor der Abgabe Deines Vorschlags die Perspektiven der Entscheider und involvierten Instanzen (andere Abteilungen) einzubauen.

Im Team lässt sich eine solche Aufgabe mit viel Kreativität umsetzen, so nimmt jemand die Rolle der direkten Vorgesetzten ein, die der nächsthöheren Entscheiderin oder nächsthöheren Entscheiders, die der „Kollegin aus dem Controlling“ usw. Anschließend argumentiert jeder aus der neuen Rolle heraus, was gegen das Budget spricht.

So kannst Du sicher sein, dass alle Perspektiven berücksichtigt sind und Du auf viele Fragen die richtige Antwort vorbereitet hast. Ihr werdet sehen, wieviel Spaß und Kraft eine solche Vorbereitung bringen kann. Wir wünschen Dir jetzt schon viel Erfolg dabei!

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