Storytelling: Die Scott-Adams-Methode



“You must be fun at parties”


Ein Freund von mir hat den Ruf, immer eine Geschichte parat zu haben, und diese auch noch gut erzählen zu können. Zufällig ist er auch der, der eine Party betritt, und alle freuen sich sichtbar, dass er endlich da ist. Oder ist das kein Zufall?


Es gibt Menschen, die scheinen einfach ein Talent zu haben, Stories zu erzählen. Dabei kann man sich hier bereits mit einfachen Tipps und Tricks helfen.


Relevant ist das nicht nur für Partys, sondern natürlich alle Formen des Networkings und des Marketings, mit dem wir Aufmerksamkeit wecken, Emotionen hervorrufen und in Erinnerung bleiben wollen. Sei es ein Blogpost, ein Small Talk auf einer Konferenz oder ein Podcast.



5 Schritte zur Story


Es gibt viele Techniken, doch heute möchte ich – weil er so simpel und anschaulich ist – den Ansatz von Scott Adams aus seinem Buch „How to Fail at Almost Everything and Still Win Big“* vorstellen. Adams ist bekannt als Erfinder von Dilbert, einem der bekanntesten Comics der Welt. Die Methode besteht aus nur 5 Schritten, an denen man sich leicht entlanghangeln kann – hier frei übersetzt und zusammengefasst wiedergegeben.

Setup

Wichtig ist die Kürze. Es sollte klar werden, wie die Geschichte ihren Anfang nimmt. Beispiel: „Einmal während des Corona-Lockdowns saß ich in meinem Homeoffice.“ Nicht unbedingt so entscheidend sind die Vorgeschichte und alle Umstände, also etwa warum und wie lang man im Homeoffice gearbeitet hat. Ein bis maximal zwei Sätze sollten für das Setup reichen.

Muster

Etabliere ein Muster, gegen das die Story verstößt. Z.B. „Normalerweise lasse ich, wenn ich der Erste in einem Videocall bin, meine Kamera immer noch ausgeschaltet“. Jetzt wissen wir, dass das, was folgt, gegen das Muster verstoßen wird.

Vorahnung

Das bedeutet, dass Du den Zuhörer oder Leser schon ahnen lässt, wohin die Story sich entwickelt. Das kann bereits mit dem Setup zusammenfallen. „Letzte Woche haben wir eine neue Videocall-Software ausprobiert. Unsere vorherige Software hatte immer eine Grundeinstellung gehabt, dass die Videos der Teilnehmer beim Betreten des Raums ausgeschaltet sind.“ Das ist ein Setup, bereits mit einer Vorahnung.

Die Charaktere

Jede Story braucht Charaktere (vielleicht bist Du einer davon). Wenn Du jemanden erwähnst, den die Zuhörer nicht kennen, gib dem Charakter etwas Hintergrund mit Eigenschaften, die für die Story relevant sind. Z.B. „meine Kollegin Susi weiß immer genau, wann jemand Geburtstag hat, weil sie nicht zufällig Homeoffice machen will, wenn es Kuchen gibt.“

Die überraschende Wende

Eine Story ist keine Story, wenn nicht etwas Unvorhergesehenes passiert. Ohne Wendung – keine Story. Wer einfach nur von seinem Tag erzählt, wird damit kaum in Erinnerung bleiben.



Was heißt das für das Personalmarketing?


Sagen wir, Du möchtest das auf eine Geschichte in einem Karriereblog anwenden. Ein Bericht von einem typischen Arbeitsalltag kann hier entweder wirken wir ein sachlicher Vorgang. Etwas, das man liest und abheftet. Oder er kann den Schritten einer Story folgen und somit Spannung und Emotionen beim Leser erzeugen, was wiederum die Wirkung des Testimonials erhöht.

Anders gesagt: Der Arbeitsalltag selbst kann schlicht die Erledigung von Tätigkeiten sein, oder ein spannendes, inspirierendes Erlebnis. Rate mal, welches von beiden bei Kandidaten besser ankommt.

Storytelling kann im Employer Branding einen entscheidenden Unterschied machen. Und eine Methode wie die hier vorgestellte zwingt einen dazu, eine Story aufzubauen, statt nur einen Ablauf zu schildern.

Wie gesagt, dies ist eine einfache Methode, und die gewählten Beispielsätze sind banal, um den jeweiligen Punkt zu veranschaulichen. Zur Geltung kommt die Methode, wenn man etwas Spannendes zu erzählen hat und die Wirkung der Story maximieren möchte.



Themen-Flops


Als ganz spannenden Abschluss erwähne ich noch die vier Themen, die man laut Scott Adams in Unterhaltungen besser vermeiden solle: Essen (außer die Leser bzw. Zuhörer haben auch vor, demnächst am selben Ort zu essen), Fernsehshows (außer die Zuhörer haben sie auch gesehen), Träume (gemeint sind Schlafträume) und Gesundheitsprobleme.

Beim Thema Gesundheit kommt dazu, dass man es anderen schwer macht, das Thema zu wechseln, ohne unhöflich zu sein.

Dies sind offenbar persönliche Erfahrungswerte des Autors, die ich aber gut nachvollziehen kann. Das Thema einer Unterhaltung, ebenso wie einer Story, sollte relevant für den Zuhörer sein, nicht nur den Erzähler.



Viel Spaß beim Ausprobieren!


Julian Ziesing

Co-Gründer Recrunauten



*Scott Adams, „How to Fail at Almost Everything and Still Win Big“, Penguin Random House, 2013.



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